photos from the exhibition:
> 06.2007 everything counts in large amounts!
> 08.2005 grunert & 56k
56k is a Hamburg based artist who is deeply rooted in gemany's urban-art-scene since years. He was among the first graffiti writers who tried to break with the existing boundaries of this scene to express his ideas and visions in a wider context. His ability in character-design and conceptual artworks are outstanding and brought him to the heliumcowboy artspace for the 1st time in 2005. The next Soloshow in 2007, "Everything counts in large amounts!" was a brilliant example of an exhibition with a 56k-like concept which brings this one idea to perfection, explorable in every single piece.
The 28 Years old 56k, is constantly working on new projects and visual techniques which he brought to perfection in his studies as a Graphic-Designer. He graduated in 2007 at HAW Hamburg and is working as a freelance Designer and Artist in Hamburg.




Interview with 56k about the "Everything Counts in large amounts!" (german)
Hamburg April 2007
Nach seiner ersten Ausstellung im heliumcowboy artspace im Jahr 2005 stellt 56K nun ein zweites Mal seine neuesten, urbanen Beobachtungen und Statements in einer großen, thematischen Solo-Show aus. Um die Hintergründe der Arbeit eines außergewöhnlichen Künstlers wie 56K, der keine klassische Künstlervita vorzuweisen hat und dennoch seit den frühen Neunzigern einer der Aktivposten der Hamburger Underground-Kunstszene ist, im Vorfeld besser begreifbar zu machen, haben wir uns mit dem 28jährigen, frisch diplomierten Absolventen der HAW Hamburg (Fachbereich Design) zu einem Gespräch getroffen.
56K ist in Hamburg und darüber hinaus ein Begriff. Dennoch kennen die meisten deine Arbeiten eher von der Straße als aus Galerien, trotz Deiner Installation „Wasted Sparetime“ auf der INDEX vor zwei Jahren, der Teilnahme beim DingDong-Kunstfestival und verschiedenen Ausstellungen, unter anderem im heliumcowboy artspace und in der Galerie Hafen+Rand.
Aber die Begriffe Street-Art und Graffiti lässt Du dennoch nicht als Label für Deine Arbeit gelten ...
56K: Mein Ursprung liegt sicherlich in Hamburger Graffiti-Szene. Ich habe da aber schon zu Beginn eine Sonderposition eingenommen, da ich nicht wirklich klassische Sprühbilder und Namenszüge gemalt habe. Ich glaube, ich war noch nie ein "richtiger" Writer. Mir ging es nicht darum, meinen Namen zu verbreiten, ich wollte eher immer etwas erzählen und meinen Gedanken und Alltagsbeobachtungen Ausdruck verleihen. Mich hat trotzdem seit Anfang an das Medium Graffiti und die Bewegung interessiert und das hat meine Arbeitsweise sehr geprägt. Ich liebe es nach wie vor, draussen zu arbeiten, grosse Formate zu malen, mit den Leuten auf der Strasse zu tun zu haben und irgendwo fühle ich mich dann doch auch als Sprüher.
Also kein klassischer Graffiti-Werdegang ...
56K: Nicht so ganz. Als ich 1993 anfing kannte ich niemanden von den Hamburger Sprühern und hab vor allem mit meinem Kumpel HEIS so vor mich hin gemalt, er seine Schriftzüge und ich Hintergrund und Character. Ich bin zum Malen durch's Land gereist, hab auf Jams gemalt und alle möglichen Leute kennengelernt, kam mir aber immer etwas fremd und fehl am Platze vor, weil ich mit dem allgegenwärtigen Rumgepose nichts anfangen konnte. Als es 2001 in Europa mit sogenannter "Street-Art" losging, bzw. ich das erste Mal durch Magazine wie das World Signs und vor allem übers Netz davon mitbekam, hat mich das ziemlich interessiert und ich hab angefangen, da meinen Weg zu suchen. Zu der Zeit hab ich dann auch Stefan Marx kennengelernt und mir mit ihm zusammen in der Mission, unsere Logos zu verbreiten, die Nächte um die Ohren geschlagen. Mit meinem Typogramm GRAFFITI LOVES YOU hab ich zu der Zeit einiges an Aufmerksamkeit bekommen, zum ersten Mal auch vor allem von außerhalb der Graffitiszene. Da bin ich weiterhin ziemlich außen vor geblieben.
Aber die Szene hat dich dennoch akzeptiert.
56k: Weiss ich nicht, das ist mir inzwischen auch egal. Irgendwie gehöre dazu, aber meine Motivation unterscheidet sich von der der meisten Anderen. Im Endeffekt hab ich meinen Respekt glaube ich dafür bekommen, dass ich innerhalb der Graffitiwelt etwas eigenes gemacht, das immer weiterverfolgt und mich schließlich abgenabelt habe, um meine eigene Sparte aufzumachen. Für mich ist es wichtig, mit meiner Arbeit voranzukommen, mich weiterzuentwickeln und Neues zu entdecken, dabei aber meine Wurzeln nicht zu vergessen und dem, was ich liebe treu zu bleiben.
Street-Art?
56K: Ich kann mit diesem Begriff wenig anfangen, aber er hat sich wohl als Label für das, was u.a. ich da manchmal tue durchgesetzt. Ich verstehe mich selbst als Maler und Grafiker mit Graffitivergangenheit, der es nach wie vor nicht lassen kann, ab und zu seinen Blödsinn in den Strassen zu verbreiten. Aber das ist für mich nur ein Teil meiner Arbeit und im Endeffekt auch nur Mittel zum Zweck, ich will wahrgenommen werden und mit meinen Sachen rauskommen und bin es vom Graffiti her gewohnt, erstmal zu machen und in die Öffentlichkeit zu gehen anstatt im Stillen vor mich hin zu arbeiten.
Aber deine Kunst kommt von der Straße und findet dort auch nach wie vor statt.
56K: Die Strasse ist ein wichtiger Einfluss aber ich habe da außer ein paar legalen Wänden lange nichts mehr gemacht. Im Moment bin ich am kucken, wie es mit mir weitergeht. Das Malen ist auf jeden Fall ein wichtiger Ausgleich zur Büroarbeit als Grafiker und mir sehr wichtig, aber eben nicht alles. Ich will vor allem meine Ideen realisieren, wie das dann am Ende aussieht, hängt von dem jeweiligen Projekt ab.
Welche Künstler haben dich beeinflusst?
56K: Graffitimässig bin ich ein Riesenfan von Barry McGee, Steve Powers, Os Gemeos und auch immer noch Banksy. Ansonsten kommen Einflüsse eher aus der Musik, die ich höre, den Dingen, die ich so erlebe und zB. im Supermarkt auf dem Grabbeltisch sehe und aus Film, Funk und Fernsehen. Deine Themen sind ja auch nicht wirklich persönlich, sondern es sind meist Beobachtungen und kommen fast alle aus dem Umfeld der Stadt. Ich verarbeite, was ich sehe und versuche, meine Beobachtungen so kompakt und reduziert wie möglich auf den Punkt zu bringen. Ich geb mir Mühe, zu eigenwilligen Lösungen zu kommen, meine Handschrift weiterzuentwickeln und meine Linie zu verfolgen, bin dabei auf der anderen Seite aber bemüht, offen zu bleiben und mich nicht zu sehr auf eine Herangehensweise oder Ästhetik einzuschiessen, weil mich das ziemlich schnell langweilt und ich mich dann einengt fühle. Die Themen, die ich bearbeite kommen wie Du sagst sicherlich aus dem Umfeld der Stadt und nicht aus meinem tiefsten Inneren aber der Umgang mit meinen Einflüssen ist für mich schon sehr persönlich und sagt glaube ich auch etwas über mich als Person und Stadtbewohner aus.
Worum geht es bei den Arbeiten, die Du hier zeigen willst?
56k:Als letztes Jahr hier in Hamburg die Müllabfuhr gestreikt hat und die ganze Stadt mit grossen Müllhaufen übersät war, fand ich das wunderschön und hat mich dazu gebracht, diese Haufen abzubilden. Das hat mich bis jetzt nicht losgelassen. Ich mag diese Haufen wegen ihrer Symbolik, nicht mit ökologischem Zeigefinger auf die Hinterlassenschaften unserer Konsumgesellschaft bezogen sondern eher als Metapher auf die mich umgebende Bilder- und Informationsflut. Ich bin ziemlich übersättigt, was dieses Überangebot an kurzlebigen visuellen Reizen, vor allem natürlich aus den Medien angeht und meine Müllbilder sind da gewissermaßen eine Gegenreaktion und für mich ein Ventil. Wie setzt Du die Motive dann um? Ich zeige Bilder in einer Mischtechnik aus Siebdruck und Malerei, wobei es mir da formal um das Zusammenspiel von analoger und digitaler Technik geht. Meine Siebdruckvorlagen sind am Rechner entstandene Grafiken, die ich später durch gemalte Partien ergänze. Bei anderen Bildern kommt die Malerei zuerst und ich reagiere dann mit der Grafikebene auf die gemalten Flächen.
Dein Name, 56K - kommt der wirklich von der Übertragungsrate alter analoger Telefonmodems?
56K: Ja das ist auf jeden Fall der Urspung dieser Idee. Vielleicht geht es auch um eine Absage an "Bigger, Better, Faster". Und um Reduktion in meinen Arbeiten und um "Weniger ist mehr". Aber 56K hat sicher auch etwas mit meiner Arbeitsgeschwindigkeit zu tun .. Das Gespräch führte Jörg Heikhaus, Galerist heliumcowboy artspace. Das Interview ist vollständig und in Auszügen zum Abdruck freigegeben.


