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    pushmagazin 04/2006 - dreckiger dialog

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    "Dreckige Dialoge einmal ohne Worte, platten dirty talk, pralle Porno-Darstellerinnen oder FSK. Die Bildsprache von Albert Bertolin und Patrick Farzar ist jedoch nicht weniger direkt und provokativ..."

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    DRECKIGER DIALOG

    Patrick Farzar und Albert Bertolin in der Galerie heliumcowboy artspace
    Dreckige Dialoge einmal ohne Worte, platten dirty talk, pralle Porno-Darstellerinnen oder FSK. Die Bildsprache von Albert Bertolin und Patrick Farzar ist jedoch nicht weniger direkt und provokativ. Ihre Bilder, Collagen und Rauminstallationen zeugen von hintergründigem, beinahe boshaftem Humor und der ironisch-bitteren Beobachtung von Alltagssituationen. Mit ihrer Ausstellung „Dreckiger Dialog“ reihen sich der Spanier Bertolin und der Hamburger Künstler Patrick Farzar in das Konzept der Galerie heliumcowboy artspace ein. Deren Gründer und Inhaber, Jörg Heikhaus, schafft seit 2003 mit seinen Ausstellungen eine Plattform für junge, urbane Gegenwartskunst, die in experimenteller Freiheit Grenzen überschreitet und den Weg bereitet für eine innovative ästhetische Zukunft. Der Galerist, bildende Künstler und freie Kreativdirektor setzt auf eine umfassende Gestaltung der Räumlichkeiten und der Ausstellungskonzepte: Sein Galerie-Format kreiert mehr als nur Bilder an den Wänden, sondern inszeniert vielmehr ein perfekt abgestimmtes, urbanes Kunstevent durch den Einsatz zahlreicher Medien und Disziplinen. Ein Credo, das gekonnt den profanen Anforderungen des Kunstmarktes nachkommt als auch explizit die modern urban art präsentiert und fördert.

    Ob klassisch gerahmt, auf Leinwand, profanem Notizblock, tragenden Wänden, der Auslegeware oder 3D als freistehende Skulptur in den Galerieräumen: Die beiden Künstler lassen sich nicht auf je zwei mit der Wasserwaage aufgehängte Gemälde beschränken, sondern nutzen spontan, aber punktgenau jedes Planquadrat der Galerie. Und verhelfen Actionfiguren, Filzstift, Glitzerklebefolie, Aufklebern oder Fundstücken vom Floh- und Walmart zu ungeahnten Einsatzmöglichkeiten. „Egal, Hauptsache billig.“ Dem Reiz der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten und künstlerischen Freiheit gehen auch Bertolin und Farzar zwanglos aber zielorientiert nach: Der Hamburger Künstler sucht mit der Überlagerung von Stilen und Materialien, dem Übermalen und Überkleben eine zusätzliche Dimension und Tiefe seiner meist kleinformatigen Statements zur Gegenwartskultur. „Mich reizt das intelligente Arbeiten mit dem Unbewußten, das Balancespiel zwischen Kopf und Bauch.“ Während seines Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg nahm sich der Student Norbert Schwontowsikis 2002 eine dreijährige Auszeit von der akademischen Ausbildung, um sich der „unorthodoxen und unakademischen Kunst“ mit all ihren freien Gestaltungsmöglichkeiten zu widmen. Heute sind Malerei, Collagen und Zeichnungen Patrick Farzars geprägt von einem eigenständigen und völlig trendfreien Stil, der unmittelbar mit seiner Direktheit und Genauigkeit unverschlüsselte Reaktionen des Betrachters hervorruft.
    Auch sein Ausstellungspartner Albert Bertolin zeigt sich vielseitig und freigeistig. Bereits nach der achten Klasse verließ der in Barcelona Geborene die Schule, um an der Massana School of Art Illustration und Zeichnung zu studieren. Akademiefern zeigt auch er sich als Initiator des "Studio Glaznost", das sich audiovisuellen Projekten, Kunst und Kommunikation widmet. 2003 wurde Bertolin beim art futura festival für seine Arbeit am Videospiel „La Fugade Miguetto“ ausgezeichnet, widmet sich neben der Malerei der elektronischen Musik als auch Anime- und Filmprojekten und stellte 2005 erstmals das Titelbild des internationalen Kunstmagazins Rojo. Gemeinsam mit heliumcowboy artspace und Rojo editions präsentiert Albert Bertolin sein textloses Buch „Kultur Toilette“ in all seiner farbenfrohen, beinahe schaurigen Pracht und überzeugt auch in gebundener Form von seinem hintergründigen, boshaften Humor.

    Wer dreckige Dialoge einmal außerhalb der heimischen vier Wände audiovisuell erleben möchte, dem sei diese Ausstellung unter Verzicht auf explizite Wortwahl empfohlen. Wer zu Hause nicht auf dreckige Dialoge verzichten möchte, kann die exponierten Originale auch käuflich erwerben.